Einträge von Hedda Lenz

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Schrei Mutter

Schrei Mutter warum hast du geschwiegen all die Jahre kein Ton soviel Worte darin Schreimutter warum hast du geschrien all die Jahre laut verzweifelt soviel Wut darin Schrei Kind wer brach dir die Flügel all die Jahre hilflos verloren soviel Ohnmacht darin

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Die Berührung

Er strich ihr sanft die Silben aus dem feinen Haar, er strich im Gedenken an die Zeit als schillerndes Paar und leis hielt er ihr die Hand danach hin, sie trank einen Schluck seiner Geste und stammelte lautlos: Ich bin …

Warten

Als er am nächsten Abend nach Hause kam, wartete sie schon auf ihn. Ja, sie hatte eigentlich den ganzen Tag gewartet, wenn sie es recht überlegte, hatte sie ihr Leben lang auf ihn gewartet. Zu Beginn ihrer Ehe ging er oft abends nach der Arbeit noch weg. Schließlich musste er dafür sorgen, dass genug Brot […]

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Nebelfelder

Die Nebelfelder sind bestellt, von Herbstluft ist die Welt erfüllt. Die Blätter schweigen leicht gewellt, der Morgen ist in Grau gehüllt. So steh ich hier im Dunst geborgen und schaue auf gescheckte Kühe, die grasen. Stille ohne Sorgen versuche ich die Tagesmühe gelassen heute zu begreifen und voller Liebe, voller Leben im Scheiden der Natur […]

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Tagesbeginn am Hafen

In Ruhe strömt der Fluss dahin und lautlos spiegeln sich die Boote vertäut im Hafen, wo ich bin, den Tagesanfang still auslote. Am Horizont die Nebel steigen, die Möwen grüßen mit Geschrei und Reiher krächzen, ich hör Geigen aus einem Fenster, bin dabei, mich einzusammeln nach der Nacht, in der Gedanken trudelnd sehnten nach Klarheit […]